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Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht von Julia Kunze
Erfahrungsbericht von Sigrid Pernusch
Erfahrungsbericht von Astrid von Ohlnhausen


Ein Erfahrungsbericht
von Julia Kunze

Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe 35 Jahre Erfahrung im Leben mit Stottern, im Leben trotz Stottern, mit einem stotternden Leben. Ich kenne die pikierten Blicke neuer Gesprächspartner. Ich kenne die Bemühungen hilfsbereiter Mitmenschen, meine Sätze für mich zu beenden, obwohl ich selbst ganz genau weiß, was ich sagen will. Ich kenne die Selbstverständlichkeit, mit der oberflächlich denkende Menschen mich allein aufgrund meiner Sprache für schwach, antriebslos und inkompetent halten. Ich kenne die Arroganz, mit der Fachleute mich kraft der Diplome an ihrer Wand zum eindeutig unheilbaren Fall erklären.

Und ich kenne den Schraubstock, der sich – mal häufiger, mal seltener – um meine Sprechorgane legt, der meinen Redefluss in stockende, gepresste, gedämpfte Portionen zerhackt. Gerade dann, wenn es darauf ankommt, wenn es nicht passieren DARF. Doch dieser Schraubstock ist stärker als äußere Zwänge, stärker als Entschlüsse, stärker als alle Willenskraft der Welt. Er war stärker als die Rollenspiele, mit denen engagierte Sozialpädagogen mir in den 70er Jahren angemessenes Sozialverhalten nahebringen wollten. Er war stärker als die Psychopharmaka, die eine Ärztin in den 80ern für die Lösung allen Übels hielt. Und trotz mehrerer Gesprächspsychotherapien in den 90ern weiß ich immer noch nicht, welches Kindheitstrauma damals mit 4 Jahren meine Entwicklungsstottern verfestigt hat.

In all diesen vielen Jahren habe ich durch das Stottern zwei wichtige Dinge gelernt - Demut und Hartnäckigkeit: Meine Fähigkeiten haben Grenzen, ich kann nicht alles unter Kontrolle haben. Und doch gebe ich nicht auf bei dem Bestreben, meine Ziele zu erreichen, weil ich weiß, dass tief in mir eine Kraft liegt, die Berge versetzen kann.

Inzwischen vermute ich, dass mein Stottern sich damals keiner Theorie geschlagen gab, weil es kein isoliertes Phänomen ist, sondern mein ganzes Wesen und mein ganzes Leben berührt. Seit 35 Jahren kann ich das, was in mir ist, nur stückweise und abgeschwächt nach außen bringen. In gewisser Hinsicht hat auch mein beruflicher Werdegang bisher „gestottert“.

Nun war kürzlich ein Punkt erreicht, an dem meine innere Kraft stark und ungehindert in der Welt wirken wollte. So stieß ich „zufällig“ auf das Intensiv-Seminar im Sprachraum Landsberg und entschloss mich spontan und kurzfristig zur Teilnahme.

Im biokybernetischen Training erlebte ich, wie ich mit bisher ungeahnter Kraft und Lautstärke im Prinzip alles sprechen kann. Während der Sprachgestaltung ging es um das persönliche innere Erleben, etwa das Wesen der Laute oder die atmosphärische Wirkung von Gedichten. Immer wieder regten diese Erfahrungen dazu an, das eigene Leben und die bisherige Weltsicht mit neuen Augen zu sehen.

Ein Prozess, der auch jetzt, zwei Wochen nach Seminarende, noch kräftig weiterläuft.

Ich gebe zu: Es ist sehr schwer, die eigene Sprache (und auch das eigene Menschsein) in jedem Augenblick ganz bewusst zu gestalten.

Aber ich weiß jetzt, dass ich nicht unausweichlich den alten eingeschliffenen Mustern ausgeliefert bin. Ich KANN das Programm ändern. Den Erfolg sehe ich schon, und er wird mir von allen Seiten bestätigt.

Übrigens, auch in anderen Lebensbereichen werden jetzt bei mir Probleme, die ich jahrelang unter den Teppich gekehrt habe, so akut, dass ich sie angehen muss. Und plötzlich öffnen sich auf Schritt und Tritt Türen für mich, und ich finde Unterstützung an völlig unerwarteten Stellen.

Schlussfolgerung:
Das Stotter-Intensiv-Seminar in Landsberg hat mir dabei geholfen, meine Sprache, mein Leben und mich selbst wesentlich schneller und gründlicher zum Positiven zu verändern, als ich es allein hätte schaffen können. Für mich als „altem Dickkopf“ war dabei besonders wichtig, dass ich nicht in eine einschränkende Schublade gepresst wurde, sondern die Freiheit hatte, meine eigenen Ziele zu erreichen und mich gemäß meiner eigenen Talente zu entfalten.


Erfahrungsbericht
von Sigrid Pernusch

Ich finde, es hat mir sehr wohl etwas gebracht. Ich kann nicht viel Negatives zur Therapie sagen, nur dass die Therapie von 9 Uhr bis 11 Uhr und von 16 Uhr bis 18 Uhr dauern sollte. (11 Uhr bis 12 Uhr Mittagspause, 12 Uhr bis 16 Uhr Freizeitaktivitäten). Sonst habe ich von der Therapie nur Positives zum Sagen. Was mir allerdings bei den Freizeitaktivitäten nicht so gut gefallen hat, war beim Bogenschießen ohne Zielscheibe und dass wir so lange warten mussten. Sonst machte es relativ viel Spaß und es gefiel mir sehr.

Nach diesem kurzen Bericht können Sie erahnen, dass Wolfgang nicht der große „Schreiber“ ist und es ihm Mühe macht und er nur mit Widerwillen über persönliche Dinge seine Person betreffend schreibt. Diese Worte sind aber ehrlich gemeint und kommen vom Herzen. Betrachten Sie seine Interpretation der Stottertherapie als großes Lob für Ihre Arbeit.

Ich möchte Ihnen nun einen Bericht aus meiner Sicht der Dinge schildern: Wie Sie wissen, habe ich mit Wolfgang in den letzten Jahren bereits Logopädinnen aufgesucht, um sein „Stottern“ zu mildern. Diese wöchentlichen Fahrten nach Villach nach Schulende waren für uns beide sehr mühsam und zeitaufwendig.

Deshalb war ich sehr glücklich, dass ich Sie und Herrn Krinner beim „Tag der offenen Tür“ in Innsbruck getroffen habe. Sie waren mir von Anfang an sympathisch und ich habe, „Gott sei Dank“, meine Euphorie auf Wolfgang übertragen können, denn er ist sehr personenbezogen. Wenn ihm jemand gefällt, machte er für diese Person fast alles, ansonsten ist er nicht so leicht für eine Sache zu begeistern.

Nachdem es mit dem Stottern bei Wolfgang immer schlimmer wurde und er teilweise 10x ein Wort beginnen musste und dann resignierend oft überhaupt nichts mehr gesagt hat, habe ich ihn gedrängt, die Stottertherapie bei Ihnen zu absolvieren. Er war nicht abgeneigt, da er selber auch oft sehr verzweifelt war.

Ich finde, dass Sie und Herr Krinner bei der Therapie großartige Leistungen vollbracht haben. Erst kürzlich haben wir mit unseren Gästen aus Dösingen, die Sie auch kennengelernt haben, die CD angeschaut und wir fanden es alle unwahrscheinlich, welche Fortschritte die Burschen gemacht haben. Es ist fast nicht zu glauben, welche Fortschritte die Jugendlichen in der kurzen Zeit gemacht haben. Wolfgang`s Lehrer waren total begeistert und ich habe nur positive Rückmeldungen erfahren. Sie waren erstaunt, wie die Therapie aufgebaut war und in Deutsch hat er durch Ihre Balladen, die von der Lehrerin kopiert wurden, ein Plus erhalten. In Geographie war die Lehrerin voll des Lobes, da er, fast ohne abzusetzen, fließend sprechen und die Prüfung ablegen konnte.

Danach hat sich Wolfgang selbst sehr unter Druck gesetzt und wollte mit Gewalt keinen „Dreier“ im Zeugnis haben. Ich hätte ihm das nie zugetraut, aber er hat es geschafft. Sein Klassenlehrer hat mir berichtet, dass er gegen Schulende mit „überdurchschnittlichem“ Ehrgeiz gelernt hat. Deshalb habe ich für sein weiteres Leben auch keine Bedenken, da er, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, sein Ziel auch erreichen wird. Leider ist in dieser Zeit nach anfänglichem Übereifer das Üben zu kurz gekommen und er hat wieder einen leichten Rückfall erlitten. Ich musste ihn immer wieder ermahnen und sagen: „Komm, besprechen wir wieder eine Kassette.“ Ohne Druck geht bei ihm leider gar nichts!!!!!

Hier möchte ich auch einhacken und Sie bitten, dass Sie in Zukunft mehr Druck auf die Kinder ausüben und Ihnen nahe legen sollten, dass Sie in regelmäßigeren Abstand, als wir es gemacht haben, Kassetten oder ähnliches abgeben müssen. Ich glaube, dass es den Jugendlichen nicht bewusst ist, dass sie täglich üben müssen! Meiner Meinung nach wäre es auch sehr wichtig, die Therapie zu erweitern und in gewissen Abständen, vorausgesetzt, dass es Ihnen möglich ist, ein bzw. einige „Nachbetreuungswochenenden“ anzubieten, wo es den Jugendlichen bzw. Eltern möglich ist, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen.

Wie schon berichtet, glaube ich, dass die Stottertherapie für uns wichtig war und uns einige Schritte weiter gebracht hat.

Ich hoffe, dass ich nun alle Ihre Fragen beantworten konnte und entschuldige mich vielmals auch dafür, dass es soooooo lange gedauert hat. Ich danke Gott, dass wir uns getroffen haben, weil ich Sie für sehr kompetente Ansprechpartner halte und werde Sie auf alle Fälle weiter empfehlen. Nochmals vielen, vielen herzlichen Dank für ALLES!

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